Eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit ist das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS). PCOS ist die häufigste endokrinologische Störung bei Frauen im reproduktiven Alter und betrifft etwa 5–10 % dieser Bevölkerungsgruppe [1]. Dieses hormonelle Ungleichgewicht, das insbesondere zu unregelmäßigen Menstruationszyklen, männlicher Behaarung und Fettansammlungen im Bauchbereich führt, kann durch regelmäßige gynäkologische Untersuchungen frühzeitig erkannt werden.
In einigen Fällen bleibt PCOS jedoch symptomlos und wird erst erkannt, wenn keine Schwangerschaft eintritt. Es wird geschätzt, dass PCOS in etwa 70–80 % der Fälle von anovulatorischer Unfruchtbarkeit die zugrunde liegende Ursache ist [1].
PCOS und Adipositas: Lebensstiländerung als erster Schritt
PCOS verschlechtert sich häufig parallel zu Übergewicht (Adipositas). In solchen Fällen erhöhen Veränderungen des Lebensstils die Chancen auf eine Schwangerschaft erheblich. Die internationalen PCOS-Leitlinien 2023 (ASRM/ESHRE) empfehlen bei übergewichtigen und adipösen PCOS-Patientinnen eine Lebensstiländerung als Erstlinientherapie [2].
Wenn sowohl PCOS als auch Adipositas vorliegen, kann bereits ein Gewichtsverlust von 5–10 % die Wiederherstellung einer regelmäßigen Ovulation unterstützen. Allerdings fällt es diesen Patientinnen aufgrund von Insulinresistenz oft schwerer, Gewicht zu verlieren. Positive Veränderungen in Ernährung und körperlicher Aktivität tragen dazu bei, den Menstruationszyklus zu regulieren [1].
Für detaillierte Informationen zum polyzystischen Ovarialsyndrom können Sie unsere Seite Was ist das polyzystische Ovarialsyndrom? besuchen.
Unfruchtbarkeitsbehandlung und PCOS
Da die meisten Frauen mit PCOS keinen Eisprung haben, fällt es ihnen schwer, schwanger zu werden. Daher wird die Behandlung in folgenden Stufen geplant [2]:
1. Stufe — Lebensstil und medikamentöse Therapie: Laut den ASRM/ESHRE-Leitlinien 2023 ist Letrozol die bevorzugte Erstlinientherapie bei PCOS-bedingter Unfruchtbarkeit; auch die Kombination aus Clomifencitrat und Metformin wird als Alternative empfohlen [2].
2. Stufe — Gonadotropintherapie oder laparoskopische Ovarialchirurgie: Bei unzureichendem Ansprechen auf die Erstlinientherapie können Gonadotropin-Injektionen oder ein laparoskopisches Ovarial-Drilling durchgeführt werden.
3. Stufe — IVF/ICSI: Wenn die Ovulationsinduktion nicht erfolgreich ist oder weitere Ursachen der Unfruchtbarkeit vorliegen, wird eine In-vitro-Fertilisation (IVF) angewendet. Meta-Analysen zeigen, dass die Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten bei PCOS-Patientinnen mit IVF vergleichbar mit denen von Frauen ohne PCOS sind [3].
Da bei PCOS-Patientinnen ein erhöhtes Risiko für ein ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS) besteht, sollte das IVF-Protokoll sorgfältig ausgewählt werden; häufig werden ein GnRH-Antagonistenprotokoll und eine Freeze-all-Strategie bevorzugt [3].
Für detaillierte Informationen zur IVF-Behandlung können Sie unsere Seite Was ist eine IVF-Behandlung? besuchen.